urban knitting
Arbeit des kanadischen Streetart Projektes CommuKNITy © Shutterstock / Alarico

Stri­cken ist out? Uncool? Und nur für alte Leute? Falsch! Denn jetzt erobert die Strick­na­del die Stra­ßen der Welt und umgarnt uns mit Witz und Charme.

Die bestrickte Statue von König Gustav Adolf während eines Festivals (Malmo/Schweden) © Shutterstock / Vlada Z
Die bestrickte Sta­tue von König Gus­tav Adolf wäh­rend eines Fes­ti­vals (Malmo/Schweden) © Shut­ter­stock / Vlada Z

Ein neues Kunst­phä­no­men umspannt schon jetzt die ganze Welt! Was 2005 noch ein klei­nes Pro­jekt der Texa­ne­rin Magda Sayeg zur Stadt­ver­schö­ne­rung war, ist heute ein welt­wei­ter Trend. Alle hat das Strick-Fieber gepackt. Das soge­nannte Urban Knit­ting oder auch Gue­rilla Knit­ting ver­schö­nert inzwi­schen nicht nur Stra­ßen­schil­der. Mit Nadel und Wolle bewaff­net ver­klei­den Frauen (und auch Män­ner!) die U-Bahnen in Ber­lin, die Fahr­rä­der in Ams­ter­dam, die Bäume in Oslo und sogar die Kröpcke-Uhr in Han­no­ver mit bun­tem Strick.

Auch der neu erschie­nene Bild­band „Streetart Reloa­ded“ wid­met sich der bestri­cken­den Form der Streetart und stellt unter ande­rem die Künst­le­rin Jes­sie Hem­mons vor, die sich unter dem Namen Ish­knits der Kunst des Strick-Graffiti wid­met. Für Sie ist diese Kunst­form eine „weib­li­che“ Nische in der meist männ­lich domi­nier­ten Streetart-Szene. Zudem bie­tet ihr das „bestri­cken“ im öffent­li­chen Raum eine große Bühne für ihre Sicht auf geschlech­ter­spe­zi­fi­sche Probleme.

Ein Strick-Graffiti von Jessie Hemmons im Bildband "Streetart Realoaded S. 67 © Ishknits / Street Art Reloaded, Prestel 2015
Ein Strick-Graffiti von Jes­sie Hem­mons im Bild­band “Streetart Rea­loa­ded S. 67 © Ish­knits / Street Art Reloa­ded, Pre­s­tel 2015

So ver­passt sie einer Rocky-Statue einen nied­li­chen, pin­ken Pul­lun­der oder streift der Sta­tue von Frank Rizzo, dem Ex-Bürgermeister von Phil­adel­phia, der von vie­len als frau­en­feind­lich und homo­phob bezeich­net wird, einen Bikini über.

Wäh­rend Hem­mons poli­ti­sche Bot­schaf­ten mit ihren Strick-Graffitis ver­brei­tet, sehen andere Guerilla-Stricker in dem bun­ten Maschen­werk vor allem den Weg aus der Tris­tesse der Stra­ßen­schluch­ten. Die Ber­li­ner Strick-Graffiti-Künstlerin Man­sha Fried­rich meint dazu:

„Ich will die Leute für Streetart mobi­li­sie­ren und die Stadt verschönern.“

Urban Knit­ting, das sind bunte, kusche­lige Motive, die uns beim Spa­zie­ren­ge­hen zum Schmun­zeln oder Nach­den­ken brin­gen. Auf diese Weise kann der öffent­li­che Raum von den Men­schen, die darin leben, um– und mit­ge­stal­tet wer­den, und das auf eine harm­lose und umwelt­freund­li­che Art und Weise. Im Gegen­satz zu Graf­fi­tis las­sen sich die klei­nen Strick­wun­der schließ­lich leicht wie­der ent­fer­nen oder sie lösen sich mit der Zeit ein­fach auf. Eine Kunst, die Neues schafft und nichts zer­stört, ein Gewinn für alle also.

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