Wir sind Günter Wallraff
Vier mal Günter: Beatrice Frey, Henning Hartmann, Wolf List und Günther Harder © Karl-Bernd Karwasz

Am 17. Mai 2015 fei­erte das Schau­spiel Han­no­ver mit einem Stück über den Ent­hül­lungs­jour­na­lis­ten Gün­ter Wall­raff Pre­miere und bot dem Publi­kum wenig Bio­gra­fie und viel Diskurs.

Um es gleich vor­weg­zu­sa­gen: Wer hofft, mit dem Stück „Wir sind Gün­ter Wall­raff“ die Bio­gra­fie des bekann­ten Ver­klei­dungs­künst­lers auf dem Sil­ber­ta­blett ser­viert zu bekom­men, der wird ent­täuscht sein. Wie­der hat das Schau­spiel Han­no­ver ein aktu­el­les Thema zum Anlass genom­men, sich so seine Gedan­ken zu machen – über die Gesell­schaft, den Kapi­ta­lis­mus und wie jeder ein­zelne Mensch dort hineinpasst.

Wir sind Günter Wallraff
Ein­blick in die Machen­schaf­ten des Bösen © Karl-Bernd Karwasz

Her­aus­ge­kom­men ist eine durch­aus inter­es­sante Insze­nie­rung, die vor allem durch Abwechs­lung, ein gelun­ge­nes Büh­nen­bild und die eine oder andere Pointe punk­tet. Zunächst geht es dabei um die BILD-Zeitung, und somit doch um Wall­raff, der ja in den sieb­zi­ger Jah­ren die Machen­schaf­ten des Blat­tes als fal­scher Repor­ter auf­deckte. So erfah­ren wir, wie die BILD-Redaktion aus einer Taekwondo-Schülerin einen mör­de­ri­schen Engel macht und sehen Wulffs Anruf bei dem BILD-Chef Dieck­mann als Beichtstuhl-Szene.

Es darf gelacht wer­den an die­sem Abend und das vor allem wegen der Spiel­freude und gelun­ge­nen Dar­stel­lung von Bea­trice Frey, Hen­ning Hart­mann, Wolf List Gün­ther Harder.

Weni­ger freu­dig sind die Ver­ir­run­gen des Stü­ckes in den allzu pla­ka­ti­ven poli­ti­schen Dis­kurs. Da fal­len die übli­chen Anti-Kapitalismus-Schlagworte und man kommt zu der sehr ver­ein­fach­ten Aus­sage: Wer sich ver­klei­det in die Höhle des Bösen begibt, um es medi­en­wirk­sam zu ent­lar­ven, ist doch selbst ein Teil davon. Pro­fit als Wur­zel allen Übels und wir allen machen mit. Ja, das mag stim­men, aber die Fol­gen des Kapi­ta­lis­mus auf der Bühne, das haben wir auch schon dif­fe­ren­zier­ter und weni­ger vor­trags­mä­ßig gesehen.

Wie dann auch noch ein Stück von Ibsen hin­ein­passt, sei an die­ser Stelle nicht ver­ra­ten, um die gelun­gene Pointe nicht zu zer­stö­ren. Denn trotz aller Schwä­chen sollte man sich „Wir sind Gün­ter Wall­raff“ durch­aus anse­hen. Wer beim pam­phle­ti­schen Teil des Abends ein­fach mal weg­hört, der kann durch­aus den einen oder ande­ren Denk­an­stoß mit­neh­men und unter­hal­ten wird er allemal.

Die Ver­an­stal­tung in der Über­sicht
Wir sind Gün­ter Wall­raff
Ort: Cum­ber­land­sche Bühne
die nächs­ten Ter­mine: 22./29.5. 20 Uhr, 4./9.6. 17 Uhr

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