In Ber­lin von einem Taxi­fah­rer gefragt, wo es denn hin­ge­hen solle, soll Her­bert von Kara­jan ein­mal unwirsch geant­wor­tet haben: “Egal, ich werde über­all gebraucht.” Und tat­säch­lich, der öster­rei­chi­sche Aus­nah­me­di­ri­gent war stets in der gan­zen Welt unter­wegs und ver­zau­berte sein Publi­kum mit sei­nen Inter­pre­ta­tio­nen klas­si­scher Werke.

Kara­jan, 1908 in Salz­burg gebo­ren, stu­dierte zunächst auf Wunsch sei­nes Vaters Maschi­nen­bau an der Tech­ni­schen Hoch­schule in Wien. Nach drei Semes­tern ent­schied er sich 1926 für ein Musik­stu­dium an der Wie­ner Aka­de­mie für Musik und dar­stel­lende Kunst. Trotz­dem inter­es­sierte er sich immer sehr für neue tech­ni­sche Ent­wick­lun­gen und war einer der ers­ten, der sich zu Beginn der 80er Jahre für die damals noch neue Com­pact Disc (CD) ein­setzte. Kara­jan fand, dass die­ses Medium die Musik nur noch popu­lä­rer machen würde, wäh­rend andere Künst­ler diese Ent­wick­lung eher skep­tisch sahen.

Ein Denk­mal für den Diri­gen­ten Her­bert von Kara­jan in Salz­burg © shutterstock.com / ZyanKarlo

Ver­mark­tung à la Kar­jan
Nicht nur in der Kunst des Diri­gie­rens war der große Maes­tro „modern und visio­när“, son­dern auch in der Ver­mark­tung und Insze­nie­rung sei­ner eige­nen Per­son. Kara­jan liebte schnelle Autos und besaß den legen­dä­ren Por­sche 959, der auf weni­ger als 300 Exem­plare limi­tiert war. Er segelte gerne auf gro­ßen Yach­ten und besaß eine Pri­vat­pi­lo­ten­li­zenz und eine Cessna, die er gerne sel­ber flog. Diese Insze­nie­run­gen und Geschich­ten um seine Per­son waren eine ideale Ver­mark­tungs­stra­te­gie für seine Musik: Welt­weit wur­den etwa 300 Mil­lio­nen Ton­trä­ger mit sei­nem Namen ver­kauft. Kara­jan war der erste Pop­star der Klas­sik. Einer, dem es gelang, auch Men­schen für klas­si­sche Musik zu begeis­tern, die sich sonst nicht dafür interessierten.

Auch heute noch, gut 25 Jahre nach sei­nem Tod, gilt Kara­jan als Inbe­griff des gro­ßen Diri­gen­ten. Er arbei­tete mit vie­len ange­se­he­nen Sym­pho­nie­or­ches­tern zusam­men, wirkte an bedeu­ten­den Opern­häu­sern und spielte etwa 700 Werke von 130 Kom­po­nis­ten ein – mehr als jeder andere Diri­gent vor und nach ihm. Die Deut­sche Gram­mo­phon, sein Haus-Label, machte mit Ein­spie­lun­gen von Kara­jan bis zum Jahr 2008 etwa ein Drit­tel ihres Umsatzes.

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