Musik ist in unse­rem Leben so gegen­wär­tig wie kaum eine andere Kunst­gat­tung. Gerade für Kin­der und Jugend­li­che hat Musik wich­tige Funk­tio­nen, denn sie hilft nicht zuletzt bei der Bil­dung der eige­nen Iden­ti­tät und erwei­tert den Hori­zont für die Iden­ti­tä­ten ande­rer. Gerade des­halb ist es so wich­tig, Musik in den All­tag all­ge­mein­bil­den­der Schu­len zu inte­grie­ren. Nur dort kön­nen wirk­lich alle Kin­der und Jugend­li­chen erreicht werden.

Der Aus­gangs­punkt jeder schu­li­schen musik­päd­ago­gi­schen Maß­nahme ist der Musik­un­ter­richt. An die­sen wer­den ver­schie­denste Anfor­de­run­gen gestellt: Er soll unter­schied­li­che musi­ka­li­sche Aus­drucks­for­men ein­be­zie­hen, Musik­kul­tu­ren geschicht­lich und gesell­schaft­lich reflek­tie­ren, eine Ver­bin­dung zu ande­ren Lern­be­rei­chen her-stellen und vor allem die Freude am Musi­zie­ren wecken und för­dern. Das sind Anfor­de­run­gen, die nicht an jeder Schule allein durch den im Lehr­plan ver­an­ker­ten Unter­richt erfüllt wer­den kön­nen. Die unter­schied­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Bedürf­nisse ein­zel­ner Schü­ler­grup­pen oder Schul­for­men, aber vor allem die begrenz­ten zeit-lichen und finan­zi­el­len Res­sour­cen machen es schwer, jedem Kind eine hoch­wer­tige musikpä-dagogische Bil­dung zu ermög­li­chen. Auch wenn sich Musik erwie­se­ner­ma­ßen posi­tiv auf das Sozi­al­ver­hal­ten und die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit aus­wirkt, wird eher in Fächer inves­tiert, die eine direk­tere Bedeu­tung für das spä­tere Berufs­le­ben haben.

Blä­ser– und Streicherklassen

Gerade des­halb ist es so wich­tig, dass es Musik­pro­jekte in Schu­len gibt, die aus den eta­blier­ten Kon­zep­ten aus­bre­chen. In Deutsch­land haben sich die soge­nann­ten Blä­ser– und Strei­cher­klas­sen eta­bliert. Dabei han­delt es sich um eine Form des pro­jekt­be­zo­ge­nen Musik­un­ter­richts, die aus den USA nach Europa gewan­dert ist. Die Idee ist ein­fach: Statt jede Woche Musik­theo­rie zu pau­ken, wird eine Klasse zum Blas– oder Streich­or­ches­ter umfunk­tio­niert. Über einen Zeit­raum von meist zwei Jah­ren ler­nen die Schü­ler ein Instru­ment ken­nen, mit dem sie vor­her noch nicht ver­traut waren. Sie bekom­men die Ver­ant­wor­tung für ihr Lei­hin­stru­ment und wer­den in Klein­grup­pen unter­rich­tet. Beson­ders auf­re­gend wird es für die Schü­ler, wenn sie die erlern­ten Stü­cke als Klasse zur Auf­füh­rung brin­gen kön­nen. So ler­nen sie nicht nur Team­ar­beit, son­dern bekom­men auch beson­dere Anerkennung.

Ein sol­ches Pro­jekt kön­nen Schu­len kaum alleine stem­men. Für die Lei­hin­stru­mente und einen hoch­wer­ti­gen Instru­men­tal­un­ter­richt wird darum gerne mit Musik­häu­sern und Musik­schu­len oder –ver­ei­nen koope­riert. Ein Bei­spiel für so eine Zusam­men­ar­beit ist die „YAMAHA Blä­ser­Klasse“, die seit über 20 Jah­ren wei­ter­ent­wi­ckelt wird. Initia­ti­ven wie „HAUPTSACHE:MUSIK“ in Nie­der­sach­sen stel­len zudem eine große Hilfe dar: Das Pro­gramm ver­netzt die Schu­len mit ande­ren kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Jedem Kind sein Instrument

Noch frü­her als die meist an Gym­na­sien zu fin­den­den Orches­ter­klas­sen setzt das NRW-Projekt „Jedem Kind sein Instru­ment“ (JeKi) an. In Zusam­men­ar­beit mit Musik­schu­len wer­den Grund­schü­ler ab der ers­ten Klasse an ein Instru­ment her­an­ge­führt. Auch in die­sem Kon­zept darf jedes Kind sein eige­nes Lei­hin­stru­ment zum Üben mit nach Hause neh­men. Ab der drit­ten Klasse musi­zie­ren die

Nach­wuchs­künst­ler jahr­gangs­über­grei­fend im „Ensem­ble Kun­ter­bunt“ und ste­hen am Ende des Jah­res bei einem Abschluss­kon­zert auf der Bühne. Das Kon­zept ist noch brei­ter auf­ge­stellt als die rei­nen Blä­ser­klas­sen, weil die Aus­wahl der Instru­mente (fast) unbe­grenzt ist: Selbst exo­ti­sche Appa­ra­tu­ren wie Baglama, Bou­zouki oder Man­do­line kön­nen erlernt werden.

Musi­ka­li­sche Grundschule

Ein sehr indi­vi­du­el­les und umfas­sen­des Ange­bot hat die Bertelsmann-Stiftung mit der „Musi­ka­li­schen Grund­schule“ ent­wi­ckelt. Unter dem Grund­satz „Mehr Musik in mehr Fächern von mehr Betei­lig­ten zu mehr Gele­gen­hei­ten“ wer­den mög­lichst alle Päd­ago­gen, Eltern und Schü­ler ein­be­zo­gen. Ein oder meh­rere Musik­leh­rer orga­ni­sie­ren dabei unter Anlei­tung durch die Stif­tung Musik­pro­jekte, die die Schul­ge­mein­schaft zusam­men­brin­gen. Das kön­nen zum Bei­spiel Klang­in­stal­la­tio­nen oder Eltern-Lehrerchöre sein, aber auch neue Metho­den für den Musikunterricht.

Ob es nun um eine umfang­rei­che Koope­ra­tion geht oder „nur“ um Abspra­chen mit einem Pro­jekt­part­ner – Musik­pro­jekte in Schu­len for­dern viel Ein­satz und Enga­ge­ment gerade von Sei­ten der Leh­ren­den. Dass sich die­ser Ein­satz lohnt, wurde bereits in einer Lang­zeit­stu­die geprüft: In einem Ber­li­ner Pilot­pro­jekt stie­gen nicht nur Moti­va­tion und Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit der Kin­der, es gab auch deut­lich weni­ger Schü­ler, die sich aus­ge­grenzt fühl­ten. Ein tol­les Ergeb­nis, das hof­fent­lich viele Leh­rer und Trä­ger von staat­li­chen Pro­gram­men anspornt, auch wei­ter­hin musi­ka­li­sche Bil­dung für alle Schü­ler zu ermöglichen.

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