Fred Domen, einer der Geschäftsführer von Radio Hannover
Fred Dohmen, Geschäftsführer von Radio Hannover

Direkt am Stein­tor sind sie zu Hause, die Macher von Radio Han­no­ver. Seit 2. April 2014 dreht sich hier 365 Tage im Jahr alles um die Lan­des­haupt­stadt und die Region.

Fred Doh­men, einer der Grün­der, erzählte Alle­gret­to­Kul­tur, wie der Sen­der ent­stan­den ist und wor­auf bei einer sol­chen Radio­grün­dung eigent­lich geach­tet wer­den muss.

Wir machen Radio nicht, weil wir es machen müs­sen, son­dern weil wir es machen wollen“

Wer in sei­ner Woh­nung oder im Auto das Radio anmacht und den Such­lauf ein­stellt, der merkt, wie viele Radio­sen­der es inzwi­schen gibt. Da ist klar, dass freie Fre­quen­zen für neue Sen­der abso­lute Man­gel­ware sind. Das muss­ten auch die Grün­der von Radio Han­no­ver erfah­ren, als sie mit ihrer Fre­quenz 87,6 end­lich auf Sen­dung gehen wollten.

Medien sind Ländersache

Die Medi­en­ge­setze sind in Deutsch­land den ein­zel­nen Bun­des­län­dern vor­be­hal­ten und so ent­schei­det jedes Land selbst, wel­che Medi­en­an­ge­bote es zulässt. Wäh­rend bei­spiels­weise in Bay­ern Lokal­funk schon seit über 20 Jah­ren erlaubt ist, waren in Nie­der­sach­sen lange Zeit nur lan­des­weite Sen­der zuge­las­sen. Erst das Nie­der­säch­si­sche Medi­en­ge­setz (NMe­di­enG) in der Fas­sung vom 01.01.2011 ermög­lichte es, auch in Nie­der­sach­sen Lokal­ra­dio zu machen.

Nach die­ser Ände­rung schrieb die zustän­dige Medi­en­be­hörde auf ihrer Home­page öffent­lich die Fre­quen­zen für ver­schie­dene Lokal­ra­dio­sen­der aus, zum Bei­spiel für Olden­burg, Osna­brück und natür­lich auch für die Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver. Fred Doh­men las die Aus­schrei­bung und bewarb sich mit einem inhalt­li­chen Kon­zept bei der Lan­des­me­di­en­an­stalt – mit Erfolg.

Unter­neh­me­ri­sches Risiko gehört immer dazu

Einen Radio­sen­der zu grün­den ist natür­lich auch immer mit Risiko ver­bun­den, denn das Geld brin­gen die Gesell­schaf­ter mit. Wie bei ande­ren Unter­neh­men auch stellt sich die Frage, ob sich das Pro­jekt refi­nan­ziert. Im Fall von Radio­sen­dern ist dies vor allem von den Wer­be­ein­nah­men abhän­gig, die aller­dings erst mit dem lau­fen­den Sen­de­be­trieb ein­set­zen. Ein Radio grün­den kann also nur, wer selbst Kapi­tal mitbringt.

Im Fall von Radio Han­no­ver steht hin­ter dem Sen­der eine Firma aus fünf Gesell­schaf­tern. Wich­tig sind dabei neben dem finan­zi­el­len Bei­trag auch Lei­den­schaft, Erfah­rung, das nötige Know-How und ein paar Ideen für den Sen­der. Oder wie Fred Doh­men sagt: „Du brauchst die gesetz­li­che Grund­lage, dass es so was geben soll, aber dann brauchst du auch enga­gierte und ambi­tio­nierte Unter­neh­mer, man könnte auch sagen ein paar Ver­rückte, die Lust haben, das Ganze auf die Beine zu stellen.“

Das wich­tigste ist die Zusam­men­ar­beit mit Profis

Fred Doh­men hat selbst bereits sechs Sen­der aus der TV– und Radio­bran­che in Süd­deutsch­land auf­ge­baut, bevor das Han­no­ve­ra­ner Stadt­ra­dio zu sei­nem neus­ten Pro­jekt wurde. Wenn er dabei etwas gelernt hat, dann, dass sich eine Zusam­men­ar­beit mit Pro­fis immer aus­zahlt. Gerade neue Sen­der ver­su­chen aus Kos­ten­grün­den zu Beginn oft eine Art „Prak­ti­kan­ten­ra­dio“ zu machen, was in den meis­ten Fäl­len schief geht. Domen dage­gen setzt auf erfah­rene Medi­en­ma­cher wie den Medi­en­wis­sen­schaft­ler Björn Stack, den er als Pro­gramm­di­rek­tor zu Radio Han­no­ver holte.

Außer­dem ist es in Doh­mens Augen exis­ten­zi­ell wich­tig, von Anfang an zu wis­sen, was man will und wo sich der Sen­der posi­tio­niert. Wer erst auf Sen­dung anfängt, ver­schie­dene Kon­zepte aus­zu­pro­bie­ren, hat den gro­ßen Neu­gie­rig­keits­ef­fekt ver­schenkt. „Man muss die Chance nut­zen und vom ers­ten Tag gut klin­gen, um dem Hörer ein ver­läss­li­cher Part­ner zu sein. Das ist viel wert.“, so der erfah­rene Existenzgründer.

Vor tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten ist nie­mand sicher

Fragt man Doh­men, wel­che Feh­ler er bei sei­nen ers­ten Sen­der­grün­dun­gen gemacht hat, fällt ihm spon­tan gar nichts ein. Im Fall von „Radio Han­no­ver“ gab es eher tech­ni­sche Schwie­rig­kei­ten, für die die Grün­der nichts konn­ten. So hat­ten die Radio­ma­cher in Han­no­ver bereits das medi­en­recht­li­che Lizen­zie­rungs­ver­fah­ren über­stan­den, und die offi­zi­elle Sen­de­er­laub­nis lag vor, als die Bun­des­netz­agen­tur ihr Veto ein­legte. Tests erga­ben, dass in rund 100 Kilo­me­ter Ent­fer­nung Stör­ge­räu­sche im Radio auf­tre­ten, wenn in Han­no­ver auf der aus­ge­schrie­be­nen Fre­quenz von 87,6 gesen­det wird. Doch nach fast einem Jahr War­te­zeit war dann end­lich auch tech­nisch alles geklärt und am 2. April 2014 konnte der Sen­de­be­trieb beginnen.

Radio Han­no­ver: Die Stim­men der Stadt – end­lich auf Sendung?

Um zu wis­sen, wel­che Markt­ni­sche in der Han­no­ve­ra­ner Radio­szene noch nicht besetzt ist, betrie­ben die Ver­ant­wort­li­chen vor Pro­gramm­start erst ein­mal Markt­for­schung. Die dabei gewon­ne­nen Ergeb­nisse ver­eint mit den eige­nen Vor­stel­lun­gen, Erfah­run­gen und gesetz­li­chen Vor­ga­ben, bil­de­ten schließ­lich das inhalt­li­che Kon­zept für den Sen­der. Bei Radio Han­no­ver gilt des­halb: „Wir sind der Lokal­teil der Zei­tung im Radio“.

Nicht zu unter­schät­zen sind die vie­len ande­ren anfal­len­den orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­ga­ben wie bei­spiels­weise das Fin­den eines Sound­de­signs und Fir­men­lo­gos oder die Gestal­tung des Inter­net­auf­tritts. All das musste noch vor der ers­ten Sen­dung fer­tig sein.

Zwi­schen­bi­lanz: Han­no­ver ist stolz auf sein Stadtradio

Nach einem guten Jahr „on air“, hat Radio Han­no­ver sich am Markt eta­bliert. Um lang­fris­tig zu über­le­ben wird bereits in das Unter­neh­men reinves­tiert und das Team erwei­tert. Ein gutes Team ist für Doh­men das wich­tigste, denn „das Unter­neh­men lebt nicht von dem Visio­när, der es auf­ge­baut hat. Es lebt lang­fris­tig immer von dem Team vor und hin­ter dem Mikrophon.“

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